In der ehemaligen Gruft und Kapelle des Franziskanerklosters Hammelburg ist ein Ort entstanden, an dem die Geschichten des Ortes Resonanz erleben.
Die besondere Herausforderung bestand darin, einen sakralen Raum mit jahrhundertealter Geschichte in einen zeitgemäßen Ausstellungsraum zu transformieren – ohne dabei seine kontemplative Atmosphäre zu schmälern.
Eydos verwandelte das sakrale Gewölbe des Klosters Hammelburg in einen zeitgemäßen Ausstellungsraum. Reduzierte Gestaltung, mediale Präzision und technische Finesse – von der Diorama-Projektion bis zur interaktiven Glockeninstallation – machen Geschichte immersiv erlebbar. Die Ausstellung lebt vom sensiblen Umgang mit Raum, Inhalt und Klang. Sie zeigt, wie durch Gestaltung ein kontemplativer Erfahrungsraum entstehen kann.
Die Arbeit im historischen Bestand erforderte besonderes Fingerspitzengefühl. Das Kreuztonnengewölbe der ehemaligen Gruft und Kapelle bot nicht nur architektonische Herausforderungen, sondern auch gestalterische Chancen.
Eydos antwortete darauf mit einer reduzierten, klaren Formensprache, die den sakralen Charakter des Raumes respektiert und gleichzeitig neue Perspektiven eröffnet.
Die spezifische Herausforderung lag im Umgang mit einer geschützten Bausubstanz, die neben Mauerwerk und Gewölbe auch die Nachkriegsfenster und einen Natursteinboden aus den 1970er-Jahren umfasst. Weder diese Elemente noch die Wände durften verändert werden.
Reversible Einbauten, ein maßgefertigter Kabelkanal an der Decke und eine Lichtgestaltung entlang der Gewölbestruktur ermöglichen eine temporäre Nutzung, ohne den Raum dauerhaft zu prägen. Höhenunterschiede, Akustik und Materialität wurden in enger Abstimmung mit Denkmalpfl ege und Handwerk präzise aufeinander abgestimmt.
Besonders hervorzuheben ist die nahtlose Integration der Wandtexte, bei der Inhalt und Raumgestaltung zu einer Einheit verschmelzen. Die geschwungenen Linien der einzigartigen Glasfenster finden ihre Fortsetzung in einer modernen Textgestaltung, die wie selbstverständlich den Raum durchzieht.
Diese Symbiose von Alt und Neu entstand durch eine intensive gestalterische Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Geschichte
Eine anspruchsvolle technische Leistung stellt die mehrschichtige Diorama-Installation dar. Um die perfekte räumliche Tiefenwirkung zu erzielen, entwickelte Eydos zunächst ein detailliertes 3D-Modell.
In aufwändigen Tests mit Beamer-Projektionen wurde an der perspektivischen Wirkung gefeilt, bis die Installation ihre volle immersive Kraft entfalten konnte.
Die Medieninstallationen fügen sich dezent in das Gesamtkonzept ein. Sie dominieren nicht den Raum, sondern ergänzen die Geschichte des Ortes auf subtile Weise.
Ein Beispiel dafür ist die Glockeninstallation, für die in Zusammenarbeit mit einem Glockensachverständigen authentische Tonaufnahmen der Original-Glocken im historischen Kirchturm angefertigt wurden. Diese Liebe zum Detail macht die Ausstellung zu einem ganzheitlichen Erlebnis.
Die Ausstellung ist auch das Ergebnis einer gelungenen Zusammenarbeit mit der lokalen Gemeinschaft. Durch gezielte Aufrufe an die Bevölkerung konnten zusätzliche historische Exponate und persönliche Geschichten in die Ausstellung integriert werden.
Diese partizipative Herangehensweise bereicherte nicht nur den Inhalt der Ausstellung, sondern schuf auch eine emotionale Verbindung zwischen dem historischen Ort und seinen heutigen Nutzer:innen und Nachbar:innen.
Die akustische Dimension der Ausstellung war von Beginn an ein zentrales Element des Konzepts Sie spiegelt nicht nur die Geschichte des Klosters wider, sondern schlägt auch eine Brücke zur heutigen Nutzung als Musikakademie.
Von den interaktiven Glockeninstallationen bis zu den Klangsäulen im Außenbereich wurde ein vielschichtiges Hörerlebnis geschaff en, das die Besucher durch die Ausstellung begleitet.
Der Übergang von innen nach außen wurde fließend gestaltet. Eine in den Hang integrierte Veranstaltungsplattform und ein kontemplativer Ruhebereich mit Holzliegen erweitern den Ausstellungsraum in die Natur.
Diese Gestaltungselemente greifen die meditative Qualität des historischen Ortes auf und schaff en gleichzeitig Raum für Nutzungen durch Besucher:innen oder Gäste der Musikakademie.
Mit „Ortsgeschichten" ist es gelungen, einen historischen Ort neu zu interpretieren, ohne seine Würde und Atmosphäre zu beeinträchtigen. Die Ausstellung zeigt exemplarisch, wie moderne Ausstellungsgestaltung und historische Bausubstanz in einen fruchtbaren Dialog treten können.
Durch die Kombination von präziser handwerklicher Ausführung, innovativer Medientechnik und sensibler Raumgestaltung entstand ein Ort, der Geschichte nicht nur präsentiert, sondern erlebbar macht. Die besondere Qualität des Projekts liegt in der gelungenen Balance zwischen Tradition und Innovation, zwischen Kontemplation und Interaktion, zwischen Geschichte und Gegenwart. Es ist ein Beispiel dafür, wie ganzheitliche Vermittlung gelingen kann.